Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter uns. In Pirna und auf dem Sonnenstein haben wir mit drei Projekten vielfältige Angebote und Veranstaltungen auf den Weg gebracht und Räume für Austausch, Beteiligung und Begegnung geschaffen.
Unser Ziel, die Teilhabe geflüchteter Menschen im Landkreis verbessern, Diskriminierung entgegenwirken und ein respektvolles Miteinander fördern, blieb dabei unverändert.
Engagiert in Pirna-Sonnenstein
Auch 2025 lag ein Schwerpunkt unserer Arbeit im Stadtteil Pirna-Sonnenstein. Die dort entstandenen Projekte und Netzwerke aus den vergangenen Jahren konnten weiter gefestigt werden. Das Highlight in diesem Jahr war das 4. Sonnensteiner Straßenfest am 28. Juni mit vielen Angeboten für Groß und Klein sowie einer Menge Musik von verschiedenen Bands. Rund 300 bis 350 Besucher*innen kamen zusammen, um gemeinsam zu feiern, zu essen und die Angebote vor Ort zu entdecken. Für Kinder gab es zahlreiche Mitmachangebote: ein Kletterturm, ein Fahrradparcours, das venezolanische Wettbewerbsspiel Yincana, Schminken, Haare stylen und Bastelaktionen wie Upcyling und T-Shirts bemalen. Das Fest bot Gelegenheit zum Austausch, Kennenlernen und gemeinsamen Feiern und zeigte wieder mal die Lebendigkeit und Vielfalt des Stadtteils.




„SofA – Sonnenstein für Alle“
Im dritten Projektjahr lag der Fokus des Projektes darin, bestehende Angebote weiter zu verankern und lokale Akteur*innen zu stärken. Insbesondere mit dem Stadtteilverein Sonnige Aussichten wurden bewährte Formate, wie das open kitchen, Kino, Sportangebote und Bildungsveranstaltungen fortgeführt und weiterentwickelt.
Besonders wichtig war uns, dass Bewohner*innen des Sonnensteins selbst Verantwortung übernahmen – sowohl in der Planung als auch in der Umsetzung von Aktivitäten. So entstanden niedrigschwellige Angebote, die sich an den tatsächlichen Bedarfen im Stadtteil orientierten.
Ein Highlight im Projekt war ein Graffiti-Workshop: Kinder und Jugendliche konnten gemeinsam mit zwei Übungsleiter*innen eigene Ideen entwickeln und legal Wände gestalten. Dabei entstanden in toller Teamarbeit kreative Ergebnisse und neue Kontakte. Ein sichtbarer Erfolg: Eine Wand des Gebäudes in der Straße der Jugend wurde durch die Graffiti deutlich verschönert und wirkt nun als bunter Treffpunkt im Stadtteil.
Und natürlich müssen wieder unsere grandiosen open kitchen erwähnt werden. Kulinarische Köstlichkeiten aus beispielsweise Ungarn, Palästina, Libanon und Polen genossen jeweils bis zu 100 Menschen in schöner Atmosphäre.
2025 endet nun auch das 3-jährige SofA-Projekt. Wir sind zuversichtlich, dass auf den gelegten Steinen weiter aufgebaut wird und entstandene Kontakte, Erfahrungen und Ideen weiterleben. Das Orte der Demokratie-Projekt mit dem Sonnenfeld und der Verein Sonnige Aussichten werden die aufgebauten Strukturen fortführen und bestehende und neue Angebote für und mit den Sonnensteiner*innen durchführen. Ein großes Dankeschön geht an alle Menschen, Vereine und Initiativen, die uns unterstützten und an Angeboten teilnahmen.



Sonnenfeld – Ort der Demokratie in Pirna-Sonnenstein
Das Sonnenfeld konnte als Begegnungsort im Stadtteil weiter aufgebaut werden. Die regelmäßige Nutzung durch unterschiedliche Gruppen – von Nachbarschaftsinitiativen über ehrenamtliche Projekte bis hin zu Bildungs- und Kulturveranstaltungen – macht den Ort zu einem lebendigen Raum des Austauschs.
Weiterhin finden hier regelmäßig ein Deutschkurs, Sprachcafé, Frauenfrühstück, sowie Hilfe bei Briefen statt. Auch die Fahrradwerkstatt und das Repaircafé konnten sich über das Jahr weiterentwickeln und vielen Menschen bei der Reparatur von Fahrrädern und Gegenständen helfen. In den Ferien gab es Nachhilfeangebote für Kinder, der Filmworkshop mit sukuma arts e.V. wurde fortgesetzt, zwei Flohmärkte fanden auf dem Außengelände statt, wir waren wieder beim Kurzfilmprogramm „voll politisch“ sowie bei der Kurzfilmnacht mit einem Kinderprogramm dabei. Der Raum wurde des Weiteren für private Veranstaltungen genutzt.
Der Höhepunkt neben dem Straßenfest war ein Demoslam im August, wo zwei 2 Paare über verschiedene Themen in einem speziellen Dialogformat diskutierten. Ein großes Dankeschön geht an die Deutsche Bahn Stiftung, die den Demoslam finanziell förderte. Ein weiteres Highlight war ein Internationales Café im November: Hier stellten 4 verschiedene Regionen ihre Kaffeezeremonie bei leckerem Kuchen und Gebäck vor. Die Veranstaltung war ein so großer Erfolg, das wir dieses Format nächstes Jahr auf jeden Fall fortführen möchten.
Die Kooperation mit Sonnige Aussichten e.V. wurde intensiv fortgesetzt. Der Verein nutzt den Ort für Treffen, Weiterbildungen, für das Mikroprojekt „Sauberer Sonnenstein“ sowie die Planung weiterer Veranstaltungen.
Für einen großen Schreck sorgte im Frühjahr der Brand im Gebäude. Zum Glück wurden unsere Räumlichkeiten davon nicht direkt betroffen, dadurch konnten wir nach einer großen Reinigungsaktion weitermachen. Leider ist in diesem Zug die Caritas wieder ausgezogen, sodass wir neben dem Blumenladen „Ostwind“ wieder allein im Haus sind. Da sich noch keine neuen Baumaßnahmen ergeben haben, konnten wir 2025 das ganze Jahr hierbleiben und werden auch voraussichtlich im nächsten Jahr noch bis mindestens Mitte des Jahres die Räume nutzen können.
Insgesamt besuchten im Jahr ca. 1000 Menschen das Sonnenfeld. Mit großer finanzieller Unsicherheit steuerten wir auf die 2. Jahreshälfte zu, da bis Mitte des Jahres die Finanzierung durch das Ministerium noch nicht gesichert war. Das Ferry Porsche Preisgeld entspannte zwar die Situation für uns etwas, aber dennoch wäre eine große Finanzierungslücke entstanden und ein Fortbestehen des Projektes im Jahr 2026 im gleichen Umfang nicht möglich gewesen. Glücklicherweise kam die Zusage von der Sächsischen Aufbaubank für die Förderung der 2. Jahreshälfte im Sommer, sodass wir unsere Arbeit einigermaßen wie geplant fortführen konnten.



„Sport verbindet – Interkultureller Familien- und Freizeitsport in Pirna-Sonnenstein“
Das offene Sportangebot in der Turnhalle der Kurt-Krenz-Schule fand auch 2025 regelmäßig statt. Es blieb ein wichtiger Raum für Begegnung über Sprach- und Herkunftsgrenzen hinweg. Kinder, Jugendliche und Erwachsene zwischen 5 und 50 Jahren – teilweise bis zu 25 Teilnehmer*innen wöchentlich nutzten das Angebot nicht nur zur Bewegung, sondern auch zum sozialen Austausch. Das Highlight hier waren im Mai zwei Thaiboxkurse, die von professionellen Thaiboxern begleitet wurden.
„Integration im Wasser: Schwimmen lernen für Zugewanderte ab 9 Jahren“
In Kooperation mit Sonnige Aussichten e.V. und der Caritas e.V. erhielten wieder jeden Dienstag
Kinder, Jugendliche und Erwachsene die Möglichkeit schwimmen zu lernen – eine wichtige Grundlage, um Sicherheit, Selbstvertrauen und gesellschaftliche Teilhabe zu stärken. Insgesamt nahmen 226 Menschen zwischen 5 und 45 Jahre aus Deutschland, Ukraine, Türkei, Syrien, Venezuela, Libyen, Polen und Afghanistan am Unterricht teil. Die Finanzierung dieses Mikroprojektes hatten wir in diesem Jahr St. Pauli zu verdanken.
Im kommenden Jahr werden die beiden Mikroprojekte rund um Sport von den Sonnigen Aussichten übernommen. Wir werden aber als Kooperationspartner weiter mit dabei sein.
Insgesamt haben wir mit unserem Engagement auf dem Sonnenstein mind. 1000 Menschen zwischen 4 und 80 Jahren in Veranstaltungen erreicht, wobei sich davon ca. 80 Menschen, zum Teil sehr regelmäßig, ehrenamtlich engagieren und die Sonnensteinprojekte mitgestalten.
IBZ – Das Internationale Begegnungszentrum
Das IBZ bleibt eine wichtige Anlaufstelle für geflüchtete Menschen, Ehrenamtliche und Unterstützer*innen. Es vereint Begegnung, Beratung, Bildung und Selbstorganisation unter einem Dach.
FrauenLand
2025 war für das Projekt FrauenLand ein erfolgreiches und vielfältiges Jahr. Neben unseren regelmäßigen Angeboten wie Frauenfrühstück, Frauen-Yoga und Nähkurse konnten wir viele zusätzliche Aktivitäten umsetzen. Dazu zählten Frauenkaraoke, Ausflüge und unterschiedliche Workshops.
Ein besonderes Highlight war die Bildungsfahrt im Mai nach Berlin mit einem Besuch im Berliner Senat. Gemeinsam mit unseren Kooperationspartner*innen nahmen 55 Frauen teil. Im Mittelpunkt standen die Themen Arbeitsmarkt und Integration. Die Fahrt bot viele neue Eindrücke, wertvolle Informationen und Raum für Austausch.
Ein weiteres Highlight war der Forumtheater-Workshop im Juni, bei dem Empowerment, Austausch und gegenseitige Stärkung im Fokus standen. Zudem organisierten wir einen Ausflug nach Chemnitz und erhielten Besuch vom Gesundheitsamt, bei dem die Frauen mehr über ihre Rechte und Angebote im Gesundheitsbereich erfuhren.
Im Jahr 2025 konnten wir 50 neue Frauen erreichen. Die Teilnehmerinnen stammen aus zehn verschiedenen Ländern und bereichern das Projekt durch ihre Vielfalt und Erfahrungen.
Mit Blick auf 2026 starten wir mit vielen neuen Ideen: Wir möchten uns stärker mit anderen Vereinen im Landkreis vernetzen, weitere Empowerment-Workshops anbieten und Frauen noch besser über ihre Rechte und Möglichkeiten in Deutschland informieren.



Deutschkurse
Auch 2025 fanden im IBZ mehrere ehrenamtlich geführte Deutschkurse statt. Die ehrenamtlichen Lehrkräfte erhalten eine Aufwandsentschädigung aus dem Programm „Wir für Sachsen“. Die Deutschkurse sind eine wichtige Ergänzung zu den offiziellen Deutschkursen, für Menschen, die keine Teilnahmeberechtigung haben (zum Beispiel Menschen mit Duldung oder ukrainische Rentner*innen), auf langen Wartelisten stehen oder keine Kinderbetreuung für die Kurszeiten haben. Kinder können zu unseren Kursen ins IBZ mitgenommen werden.
Beratung und Begleitung
Die Nachfrage nach Beratung und Unterstützung war auch im Jahr 2025 hoch. Das IBZ bleibt eine wichtige Brücke in die Regelstrukturen oder zu speziellen Beratungsstellen. Einmal wöchentlich fand wieder ein offenes Beratungs- und Unterstützungsangebot statt, bei dem auch Ehrenamtliche bei Fragen zu Briefen und einfachen Formularen unterstützen.
IBZ – Wohnzimmer für ALLE
Unsere Arbeit wäre auch 2025 ohne das große Engagement zahlreicher Ehrenamtlicher nicht möglich gewesen. Menschen mit und ohne Migrationserfahrung sowie Initiativen unterstützten und gestalteten Angebote und Veranstaltungen großartig mit. Durch eine Förderung der Bürgerstiftung Dresden im Rahmen des Förderprogramms „Wir für Sachsen“ konnten wir 16 der aktivsten Ehrenamtlichen aus Syrien, Ukraine, Deutschland, Irak, Venezuela und vielen anderen Ländern mit einer Ehrenamtspauschale entschädigen.
Öffentlichkeits-, Netzwerk- und Bildungsarbeit
Unser Highlight hier war das 10-jährige Vereinsjubiläum (auch wenn es die AG schon seit 2008 gibt, hat sich der Verein erst 2015 gegründet). Am 12. September 2025 feierten wir das im Uniwerk in Pirna. Für Stimmung sorgten Live-Musik und Rap-Auftritte. Hier hatten alle die Gelegenheit die gemeinsame Arbeit wertzuschätzen, Netzwerke zu stärken und die Erfolge des Vereins gebührend zu feiern.



Im Jahr 2025 haben wir weiterhin enge Beziehungen zu anderen lokalen, regionalen und bundesweiten Initiativen und Organisationen gepflegt, neben dem oben genannten Beratungsnetzwerk z.B. die „Multirunde Asyl“ der Stadt Pirna, das Integrationsnetzwerk in Pirna in Zusammenarbeit mit der Kommunalen Integrationskoordinatorin, „Knotenpunkte“, ein Fachkräfteaustausch in Pirna-Sonnenstein in Zusammenarbeit mit dem kommunalen Stadtteilmanager, das Bündnis Solidarisches Pirna, die LAG Flüchtlings-/Migrationssozialarbeit, die LAG Mädchen* und jugen Frauen Sachsen sowie die LAG Jungen und Männerarbeit Sachsen e.V., die Abschiebehaftkontaktgruppe, Tolsax – dem „Netzwerk tolerantes Sachsen“, ein sachsenweites Kirchenasyl-Netzwerk bis hin zum transnational aktiven antirassistischen Netzwerk „We’ll come United“.
Wir waren wieder mit Aktionsständen am Pirnaer Markt der Kulturen sowie dem Pirnaer CSD beteiligt.
Öffentlichkeitsarbeit bleibt ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit, um auf die Lebensrealitäten geflüchteter Menschen aufmerksam zu machen, rassistischen Narrativen entgegenzutreten und solidarische Alternativen sichtbar zu machen.
Herausforderungen
Auch im kommenden Jahr bleibt die unsichere Raumsituation auf dem Sonnenstein herausfordernd. Insgesamt hat sich die schwierige Lage von freiem Wohn- und Arbeitsraum auf dem Sonnenstein nicht entspannt und die Immobiliensuche ist kompliziert. Im kommenden Jahr endet das Projekt und wir werden uns die Frage stellen, wie unsere Arbeit auf dem Sonnenstein weitergehen kann.
Eine zunehmende Verschärfung migrationspolitischer Diskurse, Unsicherheiten in der Förderlandschaft sowie steigende Belastungen für Ehrenamtliche und Hauptamtliche prägten auch das Jahr 2025. Gleichzeitig stieg der Bedarf an Unterstützung, Beratung und sicheren Räumen weiter an. Immer wieder berichten uns Ehrenamtliche und Besucher*Innen mit Migrationserfahrung von rassistischen Anfeindungen und einer zunehmenden migrationsfeindlichen Stimmung in der Bevölkerung. Diese Spannungen machten deutlich, wie wichtig langfristige, verlässliche Strukturen für Integrations- und Demokratiearbeit im ländlichen Raum sind.
Ausblick
Auch im Jahr 2026 werden wir unsere Arbeit fortsetzen und möchten weitere Angebote zur Partizipation geflüchteter Menschen im Landkreis schaffen. Zentrale Schwerpunkte werden sein:
- die nachhaltige Sicherung der Arbeit in Pirna-Sonnenstein
- der Ausbau frauenspezifischer und empowernder Angebote
- die Stärkung von Selbstorganisation und Beteiligung geflüchteter Menschen sowie die Unterstützung von Aktiven und Ehrenamtlichen im Landkreis
Zum Abschluss danken wir allen Ehrenamtlichen, Partner*innen, Fördermittelgeber*innen und Spender*innen herzlich. Ihr Engagement, Vertrauen und Durchhaltevermögen machen unsere Arbeit möglich. Wir freuen uns auf die kommende Zeit mit spannenden Projekten und Veranstaltungen.
